1. Oasentag für Trauernde

Am Samstag, 18. Juli, fand von 10.30 bis 15.00 Uhr in den Räumen des Hospizvereins Wattenscheid der 1. Oasentag für Trauernde statt. Eine kleine Gruppe von Menschen, die sich zuvor nicht kannten, kam zusammen, um für einige Stunden dem Alltag Raum zu nehmen und der eigenen Trauer in einer geschützten Atmosphäre begegnen zu können.

Schon in der ersten Befindlichkeitsrunde wurde spürbar, wie wohltuend ein solcher geschützter Raum sein kann. Eine Teilnehmerin brachte es mit wenigen Worten auf den Punkt: „Hier ist es ja nicht so schlimm, wenn mir die Tränen kommen – aber draußen…“

Sich nicht zusammenreißen zu müssen, nichts erklären und nichts verbergen zu müssen, sondern mit der eigenen Trauer einfach da sein zu dürfen und gesehen zu werden – das kann entlasten. Oft braucht es dafür gar nicht viele Worte. Auch das Erleben in der Gruppe trägt: Mit Menschen zusammen zu sein, die Ähnliches erfahren haben, kann guttun und durch eine schwere Zeit helfen.

Im Laufe des Tages wurden die Teilnehmenden eingeladen, durch Wahrnehmungs- und Bewegungsübungen den eigenen Körper bewusster zu spüren. Solche Momente können dabei helfen, mit der eigenen Befindlichkeit und den persönlichen Bedürfnissen wieder stärker in Kontakt zu kommen.

„Es tat gut, einmal eine Pause von den Gedanken im Kopf zu haben“, sagte eine Teilnehmerin. Eine andere stellte für sich fest: „Ich merke, dass ich mir in meinem Alltag mehr Zeit für mich nehmen möchte.“

Wie unmittelbar Sinneseindrücke Erinnerungen wachrufen können, zeigte sich bei einer kleinen Übung mit duftender Handcreme. Der Duft erinnerte eine Teilnehmerin plötzlich an einen lange zurückliegenden Italienurlaub mit ihrem verstorbenen Mann. Berührt und dankbar erzählte sie von einem Zitronenhain, den sie damals gemeinsam mit ihrer Familie besucht hatte. Für einen Moment war dieser besondere Ort wieder ganz nah – und vielleicht wird er auch künftig ein innerer Ort sein, zu dem sie in ihrer Erinnerung zurückkehren kann.

Ermutigend war für die Gruppe auch die Begegnung mit einer Mutter, deren Tochter vor vier Jahren verstorben ist. Ihre Erfahrungen machten deutlich, dass Trauer sich im Laufe der Zeit verändern kann. Der Verlust bleibt Teil des eigenen Lebens, doch daneben kann allmählich wieder Raum für neue Interessen, Begegnungen und andere Themen entstehen. Es geht nicht darum, die Trauer hinter sich zu lassen, sondern einen Weg zu finden, mit ihr weiterzuleben.

Auch während der Pause bei Kaffee und einem kleinen Imbiss wurde viel miteinander gesprochen – über die eigenen Verlusterfahrungen, aber ebenso über ganz alltägliche Dinge. Gerade diese Mischung tat gut.

Der Oasentag zeigte einmal mehr, welche Kraft Gemeinschaft entfalten kann. Für einige Stunden konnten die Teilnehmenden innehalten, sich selbst mit mehr Aufmerksamkeit und Wohlwollen begegnen und erleben: Ich bin mit meiner Trauer nicht allein.

Vielleicht liegt genau darin die besondere Bedeutung eines solchen Tages – neue Kraft zu schöpfen und ermutigt den nächsten Schritt auf dem ganz persönlichen Weg durch die Trauer zu gehen.